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Erfolgsfaktor Badezimmer für die ambulante Pflege: Studie offenbart Defizite

Die Studie „Erfolgsfaktor Badezimmer für die Ambulante Pflege“ im Auftrag des ZVSHK (Zentralverband Sanitär Heizung Klima in Deutschland) bietet eine für Handwerk und Badanbieter interessante Bestandsaufnahme. Aus der Studie lassen sich einige Rückschlüsse für eine vorausschauende Neu- oder Umgestaltung des Badezimmers gewinnen.

Ein Beitrag zur seniorengerechten Umgestaltung Ihres Badezimmers ist eine ebenerdige Ausrichtung des Bads. Eine Möglichkeit findet sich in der Installation einer begehbaren Badewanne mit Tür.

Inhaltsverzeichnis

    Studie im Überblick

    Die Studie mit dem Titel „Erfolgsfaktor Badezimmer für die Ambulante Pflege“ ist vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Auftrag gegeben worden. Sie entstand unter Kooperation mit dem DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe), der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e. V..

    Die Studie bietet eine Bestandsaufnahme des Status Quo der deutschen Badezimmer-Situation, welche mit der Situation in der Schweiz gut vergleichbar ist. Dabei deckt sie Risiken und Verbesserungspotenzial aus Perspektive der ambulanten Pflege auf. Auf 100 Seiten zeigt die Studie, was daher bei Neubau oder Sanierung zu beachten ist. Sie gibt Badplanern und -anbietern eine konkrete Richtlinie an die Hand und formuliert Handlungsempfehlungen für die Politik.

    Die weit verbreiteten Klein- und Kleinstbäder mit schlauchähnlichem Grundriss sind aufgrund ihrer baulichen Eigenheiten für die Pflege eine besondere Herausforderung. Sowohl pflegende Angehörige als auch die professionelle Pflege profitieren von einer seniorengerechten Umgestaltung, beispielsweise durch eine altersgerechte Badewanne oder durch diverse Badewanneneinstiegshilfen.

    Pflege überwiegend zu Hause: die Rolle des Badezimmers

    Ambulante Pflege findet meist und überwiegend in den heimischen vier Wänden statt. Dies gilt sowohl, wenn Angehörige die Pflege übernehmen als auch dann, wenn Pflegepersonal zum Einsatz kommt. Das Badezimmer nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein. Aus Perspektive des Pflegepersonals in der ambulanten Betreuung ist das Bad als Arbeitsplatz zu verstehen.

    Hier findet ein Grossteil der Pflege statt, beispielsweise die Hygiene der Pflegebedürftigen. Als Arbeitsplatz muss das Bad grundsätzlich die Anforderungen und Sicherheitsaspekte der Arbeitsstättenverordnung erfüllen.

    Badezimmer mit begehbarer Badewanne

    Begehbare Badewanne mit Tür – für mehr Komfort und Sicherheit

    Ebenso sollten pflegende Angehörige unter vergleichbaren Standards ihre Angehörigen pflegen dürfen. Pflegegerechte Einrichtungsgegenstände wie eine Badewanne mit Tür erleichtern Angehörigen und professionellen Pflegekräften die Arbeit.

    Empirische Befragung ambulanter Pflegekräfte: Verletzungsgefahr

    Ein wichtiger Aspekt der Studie sind die aus empirischen Befragungen ambulanter Pflegekräfte gewonnenen Erkenntnisse. Auch pflegende Angehörige wurden befragt. Ebenso wurden die Verhältnisse in den Pflegebädern vor Ort inspiziert. Dabei kamen die Autoren der Studie zu dem Schluss, dass private Badezimmer vielfach wichtige Anforderungen nicht erfüllen.

    Manche bergen Gefahrenpotenzial für Pflegebedürftige und Pflegepersonal gleichermassen. Aus der Befragung von 344 Unternehmen ging hervor, dass 47 Prozent aller Pflegekräfte infolge schlechter Badezimmerbedingungen leichtere Erkrankungen erlitten (ohne längere Phase der Arbeitsunfähigkeit). 19 Prozent erlitten Erkrankungen inklusive Arbeitsunfähigkeit.

    Weiterhin geben die Unternehmen an, dass unzureichende Arbeitsbedingungen bei 15 Prozent der Pflegebedürftigen zu schweren Verletzungen führten. 35 Prozent der zu Pflegenden erlitten infolge unzureichender Sicherheit im heimischen Badezimmer leichte Verletzungen.

    Viele Verletzungsrisiken liessen sich durch einen pflege- beziehungsweise seniorengerechten Umbau vermeiden, etwa durch Einrichtung einer begehbaren Badewannen mit Türe.

    Anpassungen der Badezimmer bei Pflegebedürftigkeit: Defizite

    Selbst in bereits umgebauten oder altersgerecht neu gebauten Badezimmern zeigen sich Sicherheits-Defizite. Im Rahmen der Studie wurden 20 seniorengerecht angepasste Kleinbäder (mit weniger als 5 Quadratmetern) inspiziert. Hierbei zeigte sich, dass nur eines der Bäder eine eigenständige Nutzung nach fortgeschrittener Beeinträchtigung der Besitzer ermöglichten.

    Ebenso war nur in diesem einen Bad eine spätere Pflege unter Berücksichtigung wichtiger Sicherheitsanforderungen durch Pflegekräfte möglich. Weitere 20 Neubäder wurden genauer inspiziert, die speziell auf Ältere zugeschnitten waren.

    Die Analyse dieser Bäder legt offen, welche Förderungen in welchem Umfang gegenwärtig üblich sind. In der Schweiz werden die Vorsorge und die Investition in barrierefreies Wohnen und von behindertengerechten Umbauten von staatlicher Seite gefördert, z.B. über die Invalidenversicherung (IV).

    Normen für Neu- und Umbau

    Die Grundlage für den Um- und Neubau barrierefreier Bäder bildet in Deutschland die DIN-Norm 18040-2. In der Schweiz basieren die verschiedenen behindertengerechten Sanitärausstattungsprodukte zum grössten Teil auf der NORM SIA 500. Dabei handelt es sich um Normen, welche die Bewegungsflächen sowie die speziellen Einrichtungselemente in einem behindertengerechten Badezimmer definieren.

    Die Barriere-Beseitigung folgt meist innerhalb kurzer Zeit der ambulanten Pflege. Daher ist es wichtig, die Norm an Pflegegerechtigkeit anzupassen. Schon während der Neu- oder Umbauphase ist zu berücksichtigen, dass die Alltagsnutzung des Bades zunächst zum Unterstützungs- und schliesslich zum Pflegebad übergeht.

    In diesem Video erhalten Sie wertvolle Tipps, wie der barrierefreie Badumbau für Ihr Badezimmer nicht zum Hindernis wird:

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    Diese Berücksichtigung betrifft Vorbereitungen bezüglich der Wandstrukturen, der Wasser- und der Stromanschlüsse. Auch fest installierte Armaturen sind an die Pflegebedürftigkeit anzupassen. Eine Badewanne mit Türe und andere pflegegerechte Einrichtungen wie Badewanneneinstiegshilfen können hier eine wichtige Basis bilden.

    Die Studie formuliert einen umfassenden Anforderungskatalog. Dieser beinhaltet sowohl räumliche (bauliche) Faktoren als auch die Haustechnik. Die räumlichen Faktoren beginnen beim Grundriss. Dieser muss hinreichend Bewegungsfreiheit bieten.

    Der Zugang zum Bad sowie zu allen Einrichtungen des Bads ist barrierefrei zu gestalten. Für den Fussboden empfehlen sich rutschfeste Bodenbeläge. Ablagen sind in hinreichender Zahl sowie platzsparend einzurichten.

    Was die Haustechnik betrifft, sind Aspekte wie Temperatur und Belüftung zu berücksichtigen. Wasser- und Heizungstemperatur müssen sich pflegegerecht regulieren lassen. Hinsichtlich der Beleuchtung sind mehrere Lichtquellen erforderlich.

    Diese umfassen eine Stimmungsbeleuchtung sowie ein effektives Arbeitslicht. Was die Hygiene betrifft gehören leicht zu reinigende Oberflächen zu den Anforderungen.

    Handlungsbedarf in der Politik

    Der Zentralverbands Sanitär Heizung Klima sieht einen klaren politischen Handlungsbedarf nach Darlegung der Anforderungen an ein Pflegebad. Der ZVSKH will zudem den Dialog zwischen den beteiligten Personen und Unternehmen sowie Institutionen fördern und unterstützen. Dazu gehören Pflegepersonal, pflegende Angehörige, Nutzer, Handwerk und Pflegekassen.

    Der Zentralverband sieht eine Erfordernis neuer baulicher Lösungen auf den kleinen vorhandenen Flächen. Damit soll ambulanten Pflegekräften und Angehörigen gleichermassen die Versorgung Pflegebedürftiger im heimischen Bad erleichtert werden.

    Auch für die Schweiz gibt es ähnliche Forderungen. In der ambulanten Pflege erhöhte sich in den letzten Jahren sowohl die Zahl der Pflegedienste als auch der Pflegebedürftigen, Tendenz weiter steigend.

    Fazit

    Die Studie identifiziert Defizite und Verletzungsrisiken im Ist-Zustand der Badezimmer-Landschaft. Sie formuliert ebenso Anforderungen und Leitlinien zur besseren Umsetzung.

    Der wesentliche Erfolgsfaktor ist hierbei die Weiterentwicklung des Bades zu einer pflegegerechten Betreuungsumgebung für ältere und unterstützungsbedürftige Menschen. Damit werden dem Pflegepersonal sowie den pflegenden Angehörigen die Arbeit erleichtert.

    Weiterführende Links:
    Begehbare Badewanne
    Stürze von Senioren im Bad verhindern


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